Foto: Gerd Hennen Foto: Gerd Hennen

St. Vith: Rundum gelungener Familientag

Für die St.Vither Rollstuhlbasketballer stand am vergangenen Sonntagnachmittag einiges auf dem Spiel. Mit einem Heimsieg gegen den punktlosen Tabellenletzten aus Köln wollten sich die Mannen von Stefan Veithen für die anstehenden Playdowns aussichtsreich positionieren. Doch dieses Unterfangen erwies sich trotz imposanter Fanunterstützung beim Familientag als unerwartet schwierig.

Die Roller Bulls Ostbelgien begannen mit ihrer Starting Five Mounir Moujoud, Philippe Minten, Robby Hulsmans, Jamaa Saadi und Lorenzo Boterberg und gingen auch relativ schnell durch Boterberg und Saadi mit 4:0 in Führung.

Zähe Partie

Doch die Anfangsminuten zeigten bereits, dass es ein zähes Spiel geben würde, da beide Teams große Schwierigkeiten beim Versenken des Balles in der Reuse hatten. Die Bulls-Defensive stand in dieser frühen Anfangsphase bereits wie eine Eins und machte jegliches Aufbauspiel der Kölner zunichte. Erst als Coach Mat Foden seine Taktik deutlich aggressiver gestaltete und sein Team früh stören ließ, erhielten die Gäste mehr Zugriff und kamen auch durch Harry Blyth in der 4. Minute zum ersten Treffer (4:2). Es folgte ein offener Schlagabtausch, dem jedoch die enorme Nervosität beider Teams weiter anzumerken war. Boterberg, Hulsmans und Nulens sorgten für weitere Treffer für die Bulls, während die Kölner am eigenen Wurfpech zu resignieren drohten. So endete das erste Viertel mit einem mageren 10:5 zugunsten der Gastgeber aus St.Vith. Trotz der Brisanz erlebten die Fans beider Lager ein außergewöhnlich faires Spiel in dem die Unparteiischen den ersten Freiwurf erst in der 8. Minute geben mussten.

Unvermögen im Abschluss

Das zweite Viertel begann aus Sicht der St.Vither fulminant, sorgten doch David Offermann und Lorenzo Boterberg mit herrlichen Treffern nach 13 Minuten für ein kleines 9-Punkte-Break (16:7). Köln ließ sich jedoch durch diesen Zwischenspurt nicht beirren und setzte konsequent nach. Zwei Freiwürfe und ein weiterer Treffer durch Kölns Wunderwaffe Gijs Even brachte die Gäste wieder auf 16:12 heran. So gelang es den Bulls vor der Pause nur noch, den 5-Punkte-Vorsprung des ersten Viertels zu konservieren. Beim Stand von 22:17 wurden die Seiten gewechselt. Die Gäste aus Köln fanden nach dem Pausentee besser ins Spiel und kamen durch Jontee Brown und Harry Blyth nach nur anderthalb Minuten gefährlich auf 22:21 heran. Kurz darauf verpasste Jontee Brown per Freiwurf sogar die mögliche erste Kölner Führung. Stefan Veithen reagierte sofort und stimmte sein Team in einer notwendigen Auszeit auf das weitere taktische Vorgehen ein. Mit Erfolg, denn Lorenzo Boterberg stellte schnell den 5-Punkte-Vorsprung (26:21) wieder her, während David Offermann in stoischer Ruhe zwei wichtige Körbe nachlegte. So bogen die Roller Bulls Ostbelgien mit einer 30:23-Führung auf die Zielgerade ein.

Verantwortung übernommen

Wer aber nun glaubte, die Bulls hätten die Moral der Gäste aus Köln endlich gebrochen, sollte sich getäuscht sehen, denn das Team von Mat Folden warf nun alles in die Waagschale um das Spiel doch noch zu drehen und die ersten Punkte zu ergattern. Ein Drei-Punkte-Wurf von Lilja Marten zum 30:26 erschütterte das Nervenkostüm der Roller Bulls bis in seine Grundfeste. Diese aufkeimende Hektik wurde durch weitere Treffer von Harry Blyth zum 30:29-Anschluss geschürt. In dieser brenzligen und sicherlich im Nachhinein auch entscheidenden Phase behielt der Bulls-Hüne David Offermann einen klaren Kopf und verschaffte seinem Team mit seinen Treffern zum 33:29 erneut etwas Luft. Dennoch ließen die Kölner nicht locker und blieben durch Gijs Even immer wieder in Tuchfühlung. Vier Minuten vor dem Spielende gelang Gabriel Kasapoglu der 37:37-Ausgleich. Dieser Ausgleich zeigte Wirkung, denn im Gegenzug scheiterte Bart Nulens mit einem Korbleger kläglich, so dass Gijs Even drei Minuten vor dem Spielende mit seinem Korb zum 39:37 die erste Kölner Führung gelang. Nun schienen den Roller Bulls die Felle davon zu schwimmen, doch war es wieder David Offermann, der mit seiner großen Erfahrung Verantwortung übernahm und sein Team wieder mit 43:41 in Führung brachte.

Kölner Führung 3 Minuten vor Spielende

Lorenzo Boterberg sorgte eine Minute vor dem Spielende mit seinem Treffer zum 45:41 für die Vorentscheidung. Trotz taktischer Spielchen der Kölner Bank ließen sich die Hausherren nun nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Ein Freiwurf von David Offermann zum 46:41 besiegelte wenige Sekunden vor dem Spielende den Sieg der Roller Bulls Ostbelgien, die nun weiter vom Klassenerhalt träumen können. Ein wichtiger Sieg gegen eine sicherlich unter Wert geschlagene sympathische und faire Mannschaft aus Köln, die vor allem im Abschluss Schwächen zeigte. Die magere Punkteausbeute ist sicherlich Ausdruck der großen Nervosität in diesem Spiel. Die Roller Bulls müssen sich jedenfalls weiter steigern und sich mehr Treffsicherheit antrainieren um für die anstehenden Playdowns bestens gewappnet zu sein. Die sechs Punkte auf der Habenseite sind zwar eine gute Ausgangssituation, doch muss das Team von Stefan Veithen am Ende zwei Teams in der Tabelle hinter sich lassen um in der kommenden Saison weiterhin erstklassig spielen zu können. Am kommenden Samstag geht es für die Roller Bulls Ostbelgien in den hohen Norden nach Hamburg. Die Baskets aus Hamburg erlebten am 13. Spieltag gegen den Überflieger der Thuringia Bulls ein herbes 100:56-Heimfiasko, so dass die Elbstädter auf Wiedergutmachung aus sind. Die Bulls sind demnach gewarnt.

Roller Bulls Ostbelgien: Robby Hulsmans (4), Jamaa Saadi (6), Mounir Moujoud, Philippe Minten, Lorenzo Boterberg (20), Juan Bernal, Bart Nuklens (2), David Offermann (12), Stefan Veithen, Davy Bukkers, Terence Edja-Wato (2)

Köln99ers: Olle Svensson, Harry Blyth (9), Gijs Even (15), Lilja Marten (5), Paul Jachmich (2), Hillevi Hansson, Gabriel Kasapoglu (2), Jontee Brown (8), Frederic Jäntsch.

Stimmen zum Spiel:

Mat Foden, Coach der Köln99ers: „Wir haben heute vieles richtig gemacht und haben uns am Ende leider nicht für unseren unbändigen Einsatz belohnt. Die Roller Bulls standen am Ende am Rande einer Niederlage, denn wir haben uns nie beirren lassen und haben bis zum Ende gefightet. Taktisch kann ich meinem Team absolut keinen Vorwurf machen. Unser Problem in der laufenden Saison ist halt die ungenügende Trefferquote. Wir lassen viel zu viele klare Punkte liegen und laufen daher meist einem Rückstand hinterher. Dennoch sind wir auf dem richtigen Weg und werden versuchen, uns weiter zu entwickeln. Natürlich sind wir nun ohne Punkte der Abstiegskandidat Nummer 1, doch werden wir unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen. Ein großes Kompliment gilt aber dem tollen Publikum, das beide Teams gleichermaßen nach vorne gepusht hat. Hier in St.Vith macht das Spielen besonders viel Spaß!“

Stefan Veithen, Spielertrainer der Roller Bulls Ostbelgien: „Wir haben uns anlässlich des Familientages gegen die Rote Laterne aus Köln viel vorgenommen. Von Beginn an war die große Brisanz und die enorme Nervosität bei beiden Mannschaften zu spüren, so dass kein richtiger Spielfluss aufkommen wollte. Wir sind am Ende regelrecht durchs Nadelöhr geschlüpft, denn die Gäste aus Köln haben uns kurz vor Schluss mit ihrer ersten Führung nochmals so richtig in Bedrängnis gebracht. Doch eigentlich hätten wir die Partie viel früher entscheiden müssen, doch die aus meiner Sicht katastrophale Chancenverwertung machte uns einen Strich dadurch. An diesem Manko müssen wir in Zukunft arbeiten. Durch den Sieg haben wir uns jetzt gut für die Playdowns positioniert, doch der Weg bis hin zum Klassenerhalt ist noch ein weiter. Die krankheitsbedingten Ausfälle von Nazif Comor und Quoc Binh Pho mussten wir heute ja auch noch kompensieren“.

Text: Gerd Hennen

Aktuelle News