Hannover United Spielerin Anna-Lena Hennig Foto: Wunderl Fotografie

Hannover United Talent Hennig vor WM in Thailand

Vom 23. bis zum 28. Mai kämpft die deutsche U25-Rollstuhlbasketball-Frauen-Nationalmannschaft in Suphanburi, Thailand um eine WM-Medaille. Im Kader steht Hannovers Talent Anna-Lena Hennig, die mit der Bundesliga-Reserve in der 2. Rollstuhlbasketball-Bundesliga Nord (RBBL2N) den Klassenerhalt geschafft hat. Hennig, die im Lotto-Sportinternat des LandesSportBundes Niedersachsen wohnt und im nächsten Jahr an der KGS Hemmingen ihr Abitur absolviert, wurde im November in Frankreich Vize-Europameisterin mit der U24-Nationalmannschaft. Die 19-Jährige spricht im Interview über den Umbruch im Team, die Trainingslager in Köln und Lanzarote und die Zusammenarbeit mit einem Idol.

Am Sonnabend startet das Abenteuer U25-WM in Thailand. Sind die Koffer schon gepackt?

Nein, noch nicht. (lacht) Der Reisepass liegt allerdings schon in meiner Reisemappe. Die Koffer packe ich am Wochenende. In der Woche habe ich mit unseren Nationalspielern bei Hannover United, Jan Haller, Jan Sadler und Alex Budde, trainiert und individuell Kraft gemacht. Außerdem bereite ich mich mental vor. Jede von uns sollte nochmal die Spiele der Europameisterschaft – besonders diejenigen gegen Großbritannien – und die Trainingsvideos anschauen.

Wie ist der Zeitplan von jetzt an?

Ein Teil des Teams trifft sich am Sonnabend in Frankfurt. Sonntag heben wir um 14 Uhr Richtung Thailand ab, landen am Montagmorgen um 6 Uhr. Dann haben wir den ganzen Tag Zeit, uns an die Umstellung zu gewöhnen. Am Donnerstag startet wir mit dem Spiel gegen Australien ins Turnier. Bis dahin sind acht Trainingseinheiten geplant. Und am Dienstag darauf ist schon der Finaltag.

Vieles ist neu: Der Trainer hat gewechselt, einige Spielerinnen sind erstmals dabei. Wie sind die Eindrücke?

Die sind absolut positiv. Wir hatten generell mit dem Wechsel und einem fast komplett neuen Staff einen großen Umbruch. In den beiden Trainingslagern um Ostern in Köln und auf Lanzarote haben wir eine sehr gute Teamchemie entwickelt. Mit unserem neuen Trainer Dennis Nohl und seiner Assistentin Marina Mohnen haben wir eine andere Spielphilosophie und Herangehensweise. Es ist ein gewisser Spice drin.

Welcher Spice?

Wir gehen mit einer ganz anderen Mentalität an die Arbeit. Ich glaube, es gibt keine Spielerin, die sich nicht gut aufgehoben fühlt. Wir haben Fitness- und Trainingspläne bekommen. Es gab auch schon Ansagen, dass einzelne sich steigern müssen. Ich hoffe, dass sich das jede von uns zu Herzen nimmt. Ich danke dem Staff dafür, dass er so viel Zeit in die Erstellung und Analyse der Trainingsstände legt. Wir sind auf einem ganz anderen Level, gar kein Vergleich zur EM.

Mit Marina Mohnen steht eine erfahrene Spielerin mit mehr als 300 Länderspielen am Rand. Wie wichtig ist es, mit jemandem wie sie in solch ein Turnier zu gehen?

Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir die Chance bekommen, so eine erfahrene Frau an unserer Seite zu haben. Für viele aus dem Team war sie früher ein Idol. Für alle ist es eine Ehre, Marina als Trainerin zu haben. Sie hat so viele internationale Turniere gespielt und Medaillen gewonnen und teilt ihre Erfahrung und ihr Wissen gern mit uns. Gleichzeitig gibt sie uns die Möglichkeit, unser Wissen mit einfließen zu lassen. Das ist wahnsinnig wertvoll.

Die U25 hat in den Trainingslagern mit dem Frauen-A-Kader gemeinsam trainiert. Was hat das gebracht?

Wir sind sehr gut aufgenommen worden und haben viel mitgenommen. Kritik und Unterstützung waren immer positiv, es war ein total nettes Miteinander. Wenn mal etwas nicht geklappt hat, kamen die Älteren auf uns zu und meinten: „Hey, nicht, dass ich mich damit auskenne. Aber versuch es doch mal so.“ Ich habe mich immer sehr auf das Feedback der Mädels und von Nationaltrainer Martin Otto gefreut. Sie haben uns einfach ein gutes Gefühl gegeben.

Inwiefern?

Wir hatten beispielsweise zum Abschluss ein Spiel gegeneinander. Klar, dass wir das nicht gewonnen haben. Aber in diesem Fall war es wichtig, dass wir trainiert und gelernt haben, mit Frust umzugehen. Und es war frustrierend. So wird es auch mal bei der WM kommen, gerade gegen unseren Gruppengegner USA oder den Top-Favoriten Großbritannien.Es ist wichtig, dass wir, sollten wir mal eine schlechte Phase haben, uns da rauskämpfen. Das gibt ein gutes Gefühl.

Welche Rolle hat Anna-Lena Hennig in der Mannschaft?

Über meine Spielzeit möchte ich keine Prognose abgeben. Ich weiß, dass meine Rolle als Motivatorin groß ist. Das wurde mir in den Trainingslagern auch so vermittelt. Ich denke, dass jede von uns ihre berechtigten Einsätze bekommt. Das wird dann auch davon abhängen, wie unser Trainingsstand ist und wir uns an unsere Pläne gehalten haben. Ich weiß, dass die Mannschaft sehr gut vorbereitet ist und habe ein unheimlich großes Vertrauen in unser Team.

Welche Ziele hat sich die Mannschaft für die Weltmeisterschaft gesetzt?

Unser Trainer Dennis Nohl hat ganz deutlich gesagt, dass er für die U25 einen Kaderstatus raushauen will. Dafür müssen wir das Halbfinale erreichen. Unser Ziel müsse es sein, den Nachwuchs im Frauen-Basketball auf ein gutes Niveau zu heben. Bisher wurde sehr wenig über uns berichtet, jetzt wollen wir unseren Sport mehr in die Öffentlichkeit bringen. Wir kämpfen in Thailand dafür, dass sich das in drei, vier Jahren auszahlt. Und Teil dieses Prozesses zu sein, ist riesig.

Da ist es gut, dass die Spiele im Livestream im Internet übertragen werden.

Das ist unglaublich. Ich habe es im ersten Moment gar nicht gedacht, dass das passiert. Das ist eine tolle Möglichkeit für die Familienmitglieder und Freunde, dabei zu sein, ohne dass sie nach Thailand reisen. Bisher war es so, dass die Ergebnisse per WhatsApp von den Eltern verbreitet wurden. Ich hoffe, dass viele Menschen Zeit und Lust haben, uns zuzuschauen.

Das Interview wurde geführt von Philipp Schaper (Hannover United)

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