Roller Bulls mit gemischten Gefühlen gegen Trier

Veröffentlicht: 05.10.2019 Roller Bulls Ostbelgien

Roller Bulls mit gemischten Gefühlen gegen Trier

Foto: Gerd Hennen

Die Roller Bulls Ostbelgien hatten nach der Auftaktniederlage gegen Hamburg am vergangenen Sonntag nicht viel Zeit ihre Wunden zu lecken. Am Donnerstagabend bereits stand mit dem Heimspiel gegen den Aufsteiger Baskets 96 Rahden das zweite Saisonspiel auf der Agenda.

Auch wenn Rahden letztjähriger Aufsteiger ist, galt das Team von Coach Josef Jaglowski als Favorit, denn im Zuge einer konsequenten Professionalisierung des Vereins wurde auch personell entsprechend aufgestockt. Der Auftaktsieg der Ostwestfalen gegen die Rhinos aus Wiesbaden diente Jo Bongaerts und seinem Team somit als Warnung.

Die Roller Bulls Ostbelgien präsentierten sich gleich mit dem Hochball aggressiv und voller Spiellaune, so dass Lorenzo Boterberg sofort den ersten Korb erzielen konnte.

Gelungene Anfangsphase

Rahden ließ sich jedoch von diesem fulminanten Auftakt der Ostbelgier kaum beirren und sorgte mit Treffern von Nermin Hujic und Mustafa Korkmaz für eine schnelle 6:2-Führung. In dieser Phase zeigten sich die Bulls taktisch und spielerisch von der besten Seite, doch es fehlte wie so oft in letzter Zeit das nötige Quäntchen Glück im Abschluss. So ließen Lorenzo Boterberg, Robby Hulsmans und auch Terence Edja-Wato klarste Chancen aus. Über Kampf versuchten die Bulls ins Spiel und ins Scoring zurück zu gelangen, was auch geschah, denn zwei Minuten vor dem Ende des Auftaktviertels brachte Boterberg sein Team auf 9:10 heran. Es folgte eine kurze, zweiminütige Gala des Rahdener Topscorers Mustafa Korkmaz, der quasi im Alleingang und aus schier unmöglichen Positionen heraus traf und die 15:9-Führung nach den ersten zehn Spielminuten besiegelte.

Korkmaz aus allen Lagen

Coach Josef Jaglowski erwischte die Roller Bulls Ostbelgien gleich zu Beginn des zweiten Viertels mit einer taktischen Variante eiskalt, als er auf aggressives und extrem hohes Pressing umstellte. Das Team von Jo Bongaerts konnte sich einige Minuten kaum aus dieser Umklammerung befreien und fand nur selten den Weg bis unter den gegnerischen Korb. Schnell konnten die Rahdener ihren Vorsprung auf zehn Punkte (19:9) ausbauen. Auch eine Auszeit von Jo Bongaerts um taktisch neu zu justieren brachte nicht den erhofften Erfolg, denn Rahden blieb weiterhin am Drücker. Bis zur Halbzeitpause wuchs der Rückstand auf dreizehn Punkte an (20:33).

Bulls mit Aufholjagd

Nach dem Pausentee hatten die Bulls den deutlich besseren Start und schienen ein probates taktisches Gegenmittel gegen das frühe Anstürmen der Gäste gefunden zu haben. In dieser Phase glänzten die Bulls auch endlich wieder durch ihre Treffsicherheit. Vor allem David Offermann und Robby Hulsmans hielten die Bulls mit ihren Treffern weiterhin im Spiel. Das Spiel schien in dieser Phase sogar zu kippen, denn der sonst so treffsichere Korkmaz ließ auch einige Treffer liegen. Zwei Minuten vor Ende des dritten Viertels war der Gäste-Vorsprung plötzlich auf vier Punkte (39:43) zusammengeschmolzen. Doch in dieser Phase behielt das junge Rahdener Team die Ruhe und nutzte hierbei auch das mit Mannschaftsfouls belastete Bulls-Team. Von der Freiwurflinie waren die Gäste schier unschlagbar, versenkten sie doch jeden Ball, der ihnen in die Hände fiel. Diese Schlussminuten des dritten Viertels knackten auch die Moral der Bulls, die vor dem Finalviertel trotz großer Investitionen weiterhin mit elf Punkten im Rückstand lagen (39:50). Diese zwischenzeitliche Aufholjagd hatte sichtlich Spuren hinterlassen, wirkten die Bulls doch fortan müde und wenig konzentriert, während die jungen Heißsporne aus Rahden nach Belieben schalten und walten konnten.

Nur drei Bulls-Punkte im Schlussviertel

Bezeichnend für diese völlige Kapitulation sicherlich die Trefferstatistik. So ließen die ersten Punkte im Finalviertel bis zur 7. Minute auf sich warten. Am Ende setzten sich die Gäste aus Rahden verdient mit 70:42 siegreich durch. Die Bulls konnten lange Paroli bieten, mussten sich aber am Ende einer jungen und dynamischen Truppe von Josef Jaglowski geschlagen geben. Die Bulls stehen nun mit zwei Auftaktniederlagen am Tabellenende. Bereits am heutigen Samstagabend kommt es ab 18 Uhr in Trier zum Derby gegen die Doneck Dolphins und somit zu einem Wiedersehen mit Dirk Passiwan. Auch in Trier werden die Trauben des Erfolges für die Roller Bulls Ostbelgien sehr hoch hängen. Für Coach Jo Bongaerts sicherlich eine erste Bewährungsprobe, die Moral der Truppe zu schüren, denn die Spiele gegen die Teams auf Augenhöhe stehen noch an.

Stimmen zum Spiel

Josef Jaglowski, Coach der Baskets 96 Rahden: „Ich kenne die Roller Bulls Ostbelgien und weiß auch wie sie taktisch agieren. Die Bulls spielen sehr hart, was für mein junges Team äußerst ungewohnt und gewöhnungsbedürftig war. Wir wollen einen guten Basketball spielen und bei mir ist diese Spielweise im Training und auch im Spiel nicht erlaubt. Für mich war es heute phasenweise ein zu hart geführtes Spiel. Die Bulls haben heute wieder Herz und Charakter gezeigt, denn sie haben nie aufgegeben und haben bis zur letzten Sekunde gekämpft. Auch als die Bulls im dritten Viertel nochmals herankamen hatte ich vollstes Vertrauen in mein Team, das ja dann auch die entsprechenden Antworten gefunden hat und die Bulls mit 20 Punkten Unterschied auf die Verliererstraße schickte. Wir sind Neuling und möchten auf jeden Fall die Play-Offs erreichen.“

Jo Bongaerts, Coach der Roller Bulls Ostbelgien: „Ich bin doch etwas enttäuscht, da wir uns trotz zwischenzeitlich guten Basketballs nicht belohnten. Wir müssen vor allem an der Treffsicherheit feilen, denn mit nur drei Punkten im Schlussviertel werden wir keine Spiele im Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs gewinnen können, das ist klar. Jetzt haben wir kaum Zeit um das Derby gegen Trier vorzubereiten und die Motivation etwas auf Vordermann zu bringen. Aber es ist vielleicht auch besser, wenn wir nicht zu viel Zeit zum Überlegen haben. Das heutige Spiel gegen eine junge Mannschaft hat jedenfalls gezeigt, dass wir im Training noch eine Schippe drauflegen müssen.“

Text: Gerd Hennen