Lahn-Dill: Unter den eigenen Möglichkeiten geblieben

Veröffentlicht: 25.11.2019 RSV Lahn-Dill

Lahn-Dill: Unter den eigenen Möglichkeiten geblieben

Foto: Armin Diekmann

Das ersten RBBL-Gipfeltreffen der Saison kam für den RSV Lahn-Dill noch zu früh. Klar unter seinen Möglichkeiten bleibend, mussten die Wetzlarer eine verdiente Niederlage gegen die RSB Thuringia Bulls quittieren.

Bis die Gäste aus Mittelhessen dabei auf Betriebstemperatur waren, hatte der Titelverteidiger bereits den spielentscheidenden Vorsprung herausgearbeitet, der letztendlich für die 59:71 (9:19/24:34/45:54) Niederlage des Tabellenführers aus Wetzlar hauptverantwortlich war.

Als Thomas Böhme nach wenigen Sekunden die 2:0-Führung für seine Farben erzielte, war die Hoffnung des deutschen Rekordmeisters aus Hessen noch groß, die Siegesserie der Thüringer endlich wieder einmal durchbrechen zu können. Doch was zu diesem Zeitpunkt weder Mannschaft noch mitgereiste Fans ahnten, die erste sollte auch die letzte Führung für den RSV Lahn-Dill an diesem neunten Spieltag gewesen sein.

Ehe sich die Gäste versahen, spulte der dreifache Meister aus Elxleben sein Spiel nahezu fehlerfrei ab und funktionierte offensiv wie ein Uhrwerk. Über 6:2 (3.) und 12:5 (6.) zogen die Hausherren im ersten Viertel bis auf 19:9 davon. Lediglich Nationalspieler Thomas Böhme war in dieser Phase offensiv in der Lage sein Team überhaupt im Rennen zu halten, dass aufgrund einer schlechten Trefferquote bereits früh in den letztendlich spielentscheiden deutlichen Rückstand geriet.

Erst mit Beginn des zweiten Viertels wachte das neuformierte RSV-Team auf, kam binnen vier Spielminuten zum 18:21-Anschluss (14.) und ließ sein Potenzial endlich erfolgreich aufblitzen. Doch die Thüringer waren zu diesem Zeitpunkt bereits so selbstsicher in ihrem Modus, dass eine Auszeit durch Coach Michael Engel genügte, um über den überragenden Jake Williams umgehend zu kontern. Sein Dreier zum 30:20 (18.) bedeutete kurz vor der Halbzeitsirene die nächste kalte Dusche für den RSV Lahn-Dill, der realisieren musste, dass eine Aufholjagd gegen einen amtierenden Champions League Sieger kein leichtes Unterfangen ist.

Nach dem Seitenwechsel sahen die Zuschauer dann zunächst eine sehr ausgeglichene Partie, bei der die Wetzlarer weiterhin bemüht waren, den eigenen offensiven Teufelskreis zu durchbrechen. Durch eine weiterhin nur mäßige Trefferquote aus der Distanz, konnten sich die Thuringia Bulls problemlos tief unter den eigenen Korb zurückziehen, was es dem RSV wiederum erschwerte unter den Brettern für Ausrufezeichen zu sorgen. Dadurch waren Kapitän Michael Paye & Co. noch mehr gezwungen aus der Distanz ihr Glück zu versuchen und der Teufelskreis begann von vorne.

Dennoch operierte der Rekordmeister beim Titelverteidiger auf Augenhöhe. Matt Scotts Dreier zum 44:30 (25.) konterte Thomas Böhme postwendend jenseits der 6,75m-Linie zum 44:33, ebenso wie Michael Auprince mit sechs Punkten das 52:39 (28.) zum 54:47 (31.). Doch die eigene Trefferquote war an diesem Tag einfach zu inkonstant, um die durchaus mögliche Wende noch einleiten zu können. So ließ der RSV Lahn-Dill im Verlauf des Gipfeltreffens ganze acht vermeintlich leichte Punkte an der Freiwurflinie liegen. An diesem Abend war im nebeligen Elxleben somit nicht mehr möglich, als die Niederlage in einem Rahmen zu halten, der für das Rückspiel und den direkten Vergleich noch Möglichkeiten offenlässt.

Beste Akteure im Trikot des RSV waren Topscorer Thomas Böhme und US-Paralympicssieger Brian Bell, während auf der Gegenseite dessen Landsmann Jake Williams den Gästen aus der Distanz immer wieder deutliche Nadelstiche versetzte. Auch wenn die Wetzlarer mit 18 Assists einen kreativen Spielaufbau zeigten, defensiv bei den Thüringern sogar zwölf Ballverluste provozierten, brach letztendlich die beschriebene Trefferquote von nur gut 40 Prozent und einem damit einhergehenden Reboundverhältnis von 30 zu 48 den Lahn-Dillern das Genick.

Sicher war es jedoch eine Niederlage zu richtigen Zeit, die zwar schmerzt, letztendlich aber keinerlei Auswirkungen auf das Titelrennen hat. Der erste Vergleich in dieser Konstellation mit den Thuringia Bulls ist dabei verdient verloren gegangen. Der Prozess des Zusammenwachsens bietet aber nach lediglich zehn Wochen gemeinsamer Arbeit, noch ein solch hohes Entwicklungspotenzial, das einen spannenden Kampf um die Meisterschaft verspricht.

Thüringen: Jake Williams (23/3 Dreier), Aliaksandr Halouski (16), Matt Scott (15/1), Jens-Eike Albrecht (8), André Bienek (7), Karlis Podnieks (2), Teemu Partanen, Jitske Visser.

Lahn-Dill: Thomas Böhme (22/3), Brian Bell (16), Michael Auprince (7), Dominik Mosler (6), Michael Paye (6), Christopher Huber (2), Simon Brown, Annabel Breuer, Mark Beissert (n.e.), Peyman Mizan (n.e.), Kai Möller (n.e.).

Text: Andreas Joneck